TSV Rudelzhausen

Satzungsneufassung sorgt für Missklänge

Bericht aus dem Freisinger Tagblatt vom 21. Juni 2010

Vorstandschaft will sich trotz vieler Gegenstimmen oder Enthaltungen bei der Wiederwahl zwei weitere Jahre für den Verein einsetzen

Rudelzhausen – Hochspannung herrschte am vergangenen Freitag bei der Jahreshauptversammlung des TSV Rudelzhausen. Kein Wunder, hatte doch Erster Vorsitzender Werner Rauscher im Vorfeld schon angekündigt, die Vereinssatzung ändern zu wollen. Rauscher verurteilte, „dass die Abteilungen an die Öffentlichkeit gegangen sind“, ohne vorher Rücksprache zu nehmen. 

„Wer haftet für das Volksfest, die Abteilungen und den TSV?“, fragte er. Die Tennisabteilung habe versucht, die Oberhand zu bekommen, aber „es kann nicht sein, dass die Abteilungsleiter bestimmen, was der Vorstand zu beschließen hat! Wenn die Abteilungen gescheiter sind als der BLSV, dann können wir zumachen“, meinte er.

Rauscher fand es „traurig“, dass die Abteilungen (Tennis und Taekwondo) in Versammlungen über das Thema diskutiert hatten, ohne den Vorstand darüber zu informieren. Die Vereinssatzung sollte nach dem Willen der Vereinsführung der Mustersatzung des BLSV entsprechend abgeändert werden. 

Joe Zellner, Mitbegründer der TKD-Abteilung, klärte Rauscher darüber auf, dass laut Gesetzesänderung im letzten Jahr der Vereinsvorstand nur bei „grober Fahrlässigkeit“ haftet. Auch Rainer Kellerer, TKD-Trainer, war der Meinung, „man kann streiten, man rauft sich zusammen. Wir sind doch alle der TSV!“. Auch Bürgermeister Konrad Schickaneder, der als Wahlleiter fungierte, war der Ansicht: „Reds miteinander, streits in der Sache, aber nicht persönlich!“

Öl ins Feuer schüttete Evi Lewandowski, die Tennis-Abteilungsleiterin. „Die letzten Monate haben mir sehr zu denken gegeben. Ein Dank für die gute Zusammenarbeit wäre darum nicht ernst gemeint. Wir sind mündige Mitglieder im Hauptverein und möchten auch so behandelt werden!“ 

Bernd Todtenbier als TKD-Chef war der Meinung, „dass wir die letzten zehn Jahre gut zusammengearbeitet haben. Ich verstehe nicht, warum das geändert werden soll!“. Er selbst möchte „in ruhigere Gewässer fahren“. Fußball-Abteilungleiter Jens Engelmann hingegen meinte, „wir Fußballer haben uns zurückgehalten, die Mitglieder sollen entscheiden“.

Dabei zeigten die Berichte der Abteilungen eigentlich Erfolge auf. Am besten schnitten die Taekwondoka ab, die mit Stefan Brummer einen neuen Träger des vierten Dan (Meistergrad) und damit einen der Jüngsten in Deutschland vorweisen können. Auch Jens Engelmann ist stolz auf „seine“ Fußballer. So könne der Verein auf fünf Jugendmannschaften zurückgreifen, „und sogar eine Bambini-Mannschaft haben wir“. Fünf Neuzugänge konnte er für die neue Saison benennen. Einziges Problem der Fußballer sind die Umkleidekabinen: „Wir brauchen eigentlich vier Kabinen“, meinte er. Hier müsse der Verein einen Antrag auf Ausbau des Vereinsheims stellen.

Entsprechend der Stimmung verlief auch die Neuwahl der Vorstandschaft. Erstmalig in der Geschichte des Vereins wurde – auf Antrag von Evi Lewandowski – schriftlich abgestimmt. Auch das Wahlergebnis war einmalig“. So wurde Werner Rauscher mit 45 Ja-, neun Nein-Stimmen und 16 Enthaltungen erneut zum Vorsitzenden benannt. Auf die Frage des Bürgermeisters, ob er die Wahl trotzdem annehme, antwortete er nur: „Ja, i kämpf no zwoa Jahr!“ Auch sein Stellvertreter Nik Hofmann erhielt nur 46 Ja-Stimmen bei sechs Gegenstimmen und 16 Enthaltungen. Einstimmig wurde hingegen Kassier Peter Geier in seinem Amt bestätigt. Aber auch Schriftführerin Astrid Chaluppa musste zehn Gegenstimmungen und fünf Enthaltungen erst verkraften. 

Da der bisherige Zweite Kassier Alois Winkler aus beruflichen und familiären Gründen sein Amt niederlegte, wurde Pamela Meier, Geschäftsführerin der Gemeinde, für diesen Posten vorgeschlagen. Auch sie erhielt 54 Stimmen bei neun „nein“ und sechs Enthaltungen. 

Rauscher versicherte abschließend, dass man über die Neufassung der Vereinssatzung mit den Abteilungsleitern noch Gespräche führen werde, ehe etwaige Schritte unternommen werden.

HERBERT FEIND

Will kämpfen und auch jene überzeugen, die ihr nicht die Stimme gaben. Bürgermeister Konrad Schickaneder (r.) mit der Vereinsführung (v.l.) Nik Hofmann, Werner Rauscher, Peter Geier, Pamela Meier und Astrid Chaluppa                    
Foto: Feind