TSV Rudelzhausen

TSV schwebt im siebten Fußball-Himmel

Bericht aus der Hallertauer Zeitung vom  28. Juni 2007

Aufstieg in die Kreisklasse macht Fortsetzung des „Sommermärchens“ perfekt

Rudelzhausen. „Ich hatte die letzten Wochen das Gefühl, das Sommermärchen vom Vorjahr geht weiter,“ sagte TSV-Spielleiter Josef Schauer bei der Aufstiegsfeier der TSV im Bezug auf die Uberraschungsmannschaft der abgelaufenen A-Klassen-Saison. Uber 100 Spieler, Betreuer, Funktionäre, Fans und Gönner waren total aus dem Häuschen, als nach dem offiziellen Teil Christian Schmitt einen Saisonrückblick in Gedichtform gab. Der Spielführer der Blauweißen musste die entscheidenden Spiele beruflich in Kasachstan verbringen und zitterte mit seinen Kameraden via Internet. 

Zuvor gab es Dankesworte und Lob von allen Seiten sowie die Torjägerkanone für Spielertrainer Hansi Ruhland. Die Feier war der krönende Abschluss einer unglaublichen Saison mit allen Höhen und Tiefen. Fast 2000 Zuschauer hatten die Blauweißen in den drei Relegationsspielen gegen Real Moosburg, den FSV Steinkirchen und schließlich wieder gegen Moosburgs „Königliche“ begleitet, für die Spieler unvergesslich. Der 1:0-Erfolg im alles entscheidenden Match gegen den Kreisklassen-Zwölften Real ließ in der etwa 3000 Einwohner-Gemeinde alle Dämme brechen – der TSV Rudelzhausen/Tegernbach ist 17 Jahre nach dem Abstieg aus der damaligen B-Klasse zurück in der Kreisklasse. 

Vater des Erfolgs“ ist zweifelsohne Spielertrainer Hansi Ruhland. Der ehemalige Bayernligaspieler, der seinen Heimatverein vor 18 Jahren verlassen hatte, kam mit Pauken und Trompeten zurück. Als Spielertrainer hatte er zuvor den TSV Elsendorf und zuletzt den HSV Rottenegg erfolgreich betreut – und jede Saison als Torschützenkönig beendet. 

In Rudelzhausen hatte Ruhland eine besonders schwierigeMission zu erledigen, die er mit Bravour meisterte: Zur Winterpause der Saison 2005/2006 waren die Holledauer mit vier Punkten Tabellenletzter der A-Klasse, ehe sich Ruhland entschied, seinem Heimatverein wieder auf die Sprünge zu helfen. Am Ende der letzten Saison wurde der TSV nach einer fulminanten Rückrunde noch Achter. 

Als Ruhland zum Trainingsauftakt verkündete, sein Ziel wäre ganz klar der Aufstieg, wurde er von Vielen belächelt. Doch mit dem bestehenden Kader sowie den Neuzugängen Alexander Zendelbach vom FC Mainburg sowie dem Auer Trio Pidi Huber, Christoph Spitzer und Christian Müller, alle mit Kreisklassen-Erfahrung, hatte er eine Truppe, die wie Ruhland nur dieses eine Ziel vor Augen hatte. „In 19 Jahren Herrenfußball habe ich noch nie so hart trainiert wie in dieser Saison“, so Christian Müller. Alle haben mitgezogen, auch wenn‘s manchmal schwer fiel. Der 37-jährige Ruhland ging mit bestem Beispiel voran, „lebte“ seinen Spielern quasi Einstellung vor.

Spielführer Alex Zendelbach überreichte die Torjäger-Kanone an Coach Hans Ruhland (rechts).

Der 44-jährige Werner Rauscher, Vereinsheim-Wirt mit Frau Christine, zweiter Vorsitzender und von den Mitspielern „Legende“ genannt, war es, der unermüdlich darum kämpfte, den Oberhinziriger zum TSV zu locken, was ihm schließlich gelang. 

Professionell ging Ruhland an das Unternehmen „Aufstieg“ heran, verpflichtete mit dem ehemaligen Keeper Wieland Seheer einen Torwart-Trainer für den jungen Andi Hölzl, kümmerte sich um ein funktionierendes Umfeld und sogar um einen Physiotherapeuten, der vor allem in den Entscheidungsspielen ganze Arbeit leistete. Von der eigenen Jugend ließ er die damals 17-jährigen Achim Lewandowsky und Tobias Geier freistellen und formte Schritt für Schritt „sein Team“. Eine Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern, die sich mit einem Altersschnitt von 25 als nahezu optimal erwies. 

Der ohnehin schon überragende Teamgeist wurde durch gemeinsame Aktivitäten gepflegt, wobei der Höhepunkt das erstmals durchgeführte, gemeinsame Trainingslager Anfang März in der Türkei war. Uberschattet wurde der „Ausflug“ allerdings von der schweren Verletzung Ruhlands, die sich nach der Rückkehr in die Holledau als „Knorpelriß im Knie“ herausstellte – eine Hiobsbotschaft, zumal der Spielertrainer in der Hinrunde in 15 Spielen mit 17 Torerfolgen glänzte und der überragende Spieler des Teams war.

Doch die Truppe ließ sich nicht unterkriegen. „Jetzt erst recht“ lautete die Devise. Ruhland ließ sich operieren und übertrug die Aufgabe, das Training zu leiten, Libero Christian Müller, der gerade seine Trainerausbildung in der Sportschule Oberhaching erfolgreich absolviert hatte.

Die Spieler zogen voll mit, und Ruhland fand sich mit seiner neuen Rolle außerhalb des Spielfeldes immer besser zurecht. 

Schließlich erreichte der TSV trotz einiger Rückschläge den zweiten Tabellenplatz in der A-Klasse und somit die Teilnahme an den Aufstiegsspielen. Der Ausgang des „Sommermärchens“ ist bekannt. Nach dem finalen 1:0-Erfolg gegen Real Moosburg spielt man in der neuen Saison nach 17 Jahren endlich wieder in der Kreiskiasse. „Wir freuen uns riesig drauf, besonders auf die Derbys gegen Nandlstadt und Au,“ sagt Ruhland, der jetzt erstmal zwei Wochen nichts von Fußball hören will.

Wer ihn kennt weiß, dass das nicht stimmt. In seinem Kopf dreht sich bereits alles um das Unternehmen „Klassenerhalt“. Mit seiner tollen Truppe und einigen Neuzugängen sollte dies ein realistisches Ziel sein. Bleibt nur noch eine Frage offen. Hört „Legende“ Werner Rauscher wie angekündigt wirklich auf, oder hängt er noch eine Saison dran? „Nix g‘wiss woas ma ned,“ sagt der Oldie und lehnt sich schmunzelnd zurück, während im Sportheim der „Ausnahmezustand“ herrscht.